Warum Selfies glücklich machen und wie du dein Gehirn manipulieren kannst.

Kennst du das, wenn du einen neuen Klingelton für dein Handy einstellen möchtest, du kommst ausversehen auf den Alarmton deines morgendlichen Weckers und dir läuft automatisch ein kalter Schauer den Rücken runter?

Stell dir vor du hast eine knallgelbe, saftige Zitrone vor dir. Nehme das Messer was neben dir liegt und schneide die Zitrone in Achtel. Greife dir ein Stück dieser saftigen Zitrone und beiße genüsslich hinein! – Ich schreibe das hier nur und trotzdem zieht sich gerade gefühlt alles in meinem Mund zusammen!

Kommen dir diese Situationen bekannt vor? Es gibt noch unzählige andere Formen der sogenannten Konditionierung. Was steckt dahinter und wie kannst du diesen Effekt nutzen um ein Lächeln mehr in deinen Alltag zu zaubern? Das erfährst du heute hier.


Erstmal ein paar Fakten…

Definition Konditionierung 

„Die klassische Konditionierung ist eine grundlegende Form des Lernens, bei der ein Reiz oder ein Ereignis das Auftreten eines anderen Reizes oder Ereignisses vorhersagt. Der Organismus lernt eine neue Assoziation zwischen 2 Reizen – zwischen einem Reiz, der zuvor die Reaktion nicht auslöste, und einem anderen, der nach den Gesetzen der Natur die Reaktion auslöste.“

Der Pawlow´sche Hund

Der Wissenschaftler Pawlow fütterte einen Hund mit Fleisch. Das führte dazu, dass der Hund begann Speichel zu produzieren. Das Füttern wurde in einem nächsten Schritt mit dem Läuten einer Glocke gekoppelt. Nach mehrmaligen Füttern mit Glocke wurde in dem letzten Schritt nur die Glocke geläutet, ohne den Hund zu füttern. Obwohl dem Hund kein Fleisch vorgelegt wurde, begann der Speichelfluss. Der Hund wurde darauf konditioniert den Reiz der Glocke mit Futter (Speichelfluss) in Verbindung zu bringen.

Lernen 

Ein Mechanismus der dem Lernen zu Grunde liegt besteht darin, dass charakteristische Gehirnregionen regelmäßig aktiviert werden. Je öfters sie durch, zum Bespiel, das Lesen einer Vokabel aktiviert werden, desto mehr werden bestimmte Verbindungen im Gehirn ausgebaut. Irgendwann, sind diese Netzwerke so verdichtet, dass es kein Problem mehr darstellt, sich diese bestimmte Vokabel zu merken.

Wie der Hund gelernt hat

Der Reiz des Füttern führt im Gehirn die angeborene Reaktion des Speichelflusses ein. Wird jetzt der Futterreiz mit dem Läuten der Glocke in Verbindung gebracht, verschmelzen beide Reize im Bewusstsein zu einem. Daher ist es irgendwann egal, welchen der beiden Reize man betätigt, denn beide rufen am Ende die gleiche Reaktion hervor. – Der Hund hat gelernt, dass wenn die Glocke läutet, es etwas zu futtern gibt und bereitet sich durch das einsetzen des Speichelflusses darauf vor (natürlich unterbewusst)- 


Okay okay, ganz viel Theorie. Aber was hat das nun mit Seflies zu tun ?

Genauso wie die Reaktion des Speichelflusses durch den Reiz des Füttern ausgelöst wird, ist es auch beim Lächeln.

Wir assoziieren in unserem Leben Lachen automatisch mit glücklich sein und Freude. Auf jeden Fall positiven Emotionen.

Stell dir vor du bist verliebt. Diese Person macht dir ein Kompliment, daraufhin schüttet dein Körper ganz viele Glückshormone aus. Du fühlst dich glücklich und fängst an zu lächeln.

-Lächeln = hochziehen der Mundwinkel, zusammen kneifen der Augen etc..- Ich glaube du weißt was gemeint ist.

Der Großteil der Menschen lächelt eigentlich nur, wenn sie auch glücklich sind. Daher ist diese Bewegung des Lächeln mit positiven Empfindungen verknüpft.

Glücklich sein = Lächeln|Lächeln = glücklich sein.

Durch diese Verknüpfung in unserem Gehirn kommt es dazu, dass wenn wir nur Lächeln, obwohl wir keinen expliziten Grund dazu haben, unserem Gehirn signalisieren, dass wir glücklich sind. Praktisch oder? Dadurch kann man sich ganz schnell viele nützliche Dinge im Alltag vorgaukeln. Zum Beispiel, dass sich dein Mund sprichwörtlich zusammenzieht, wenn du an eine Kiwi oder Zitrone denkst. (Ob das nützlich ist sei mal dahin gestellt)

 

Kommen wir nun endlich zu den Seflies.

Einen kleinen Haken gibt es dabei jedoch: das wird alles nur funktionieren, wenn du kein Duckface ziehst. Also nächstes Mal einfach nett in die Kamera grinsen.  Was passiert also? Unserem Gehirn wird vorgegaukelt, dass wir glücklich sind, weil wir lächeln! Dadurch werden Biochemische Signale in unserem Körper ausgeschüttet und wir fühlen uns wirklich ein bisschen besser.

Also wenn du nächstes Mal schlechte Laune haben solltest, einfach vor den Spiegel stellen, lächeln und Fotos knipsen. 🙂

 

Nie wieder Aufregung bei Referaten!

Diese Art von Konditionierung können wir in vielen alltäglichen Situationen in unserem Leben anwenden. Wäre es nicht unheimlich nützlich, wenn du einfach mit den Fingern schnippen musst, um dich zu entspannen? Mit ein bisschen Geduld ist das sogar kein Problem mehr!

So geht’s:

  • Denk dir eine Bewegung mit deinen Fingern aus, die du nutzen möchtest. (Bsp. Finger schnippen, Daumen und Zeigefinger aneinander tippen, …)
  • Führe diese Bewegung jedes Mal aus, wenn du denkst, dass du gerade Tiefenentspannt und glücklich bist. (morgens unter der Dusche, In der Sauna, beim Frühstück, kuscheln etc.,)
  • Sei konsequent und geduldig.
  • Irgendwann hast du dein eigenes Gehirn soweit beeinflusst, dass sich dein Körper jedes Mal entspant, sobald du diese spezifische Bewegung ausführst.

Sehr praktisch für Prüfungsphasen oder Referate!

Doch Vorsicht! Die Bewegung muss viel öfters mit dem positiven Gefühl in Verbindung gebracht werden. Laufe nicht in die Falle, dass du die Bewegung irgendwann nur noch bei jeder stressigen Situation ausführst. Dadurch riskierst du nämlich, dass dein Gehirn die Bewegung auf einmal mit den negativen Empfindungen in Verbindung bringt. Mit der Folge, dass wenn du gerade wirklich entspannt bist und du deine Fingerspitzen aneinander tippst, du deinem Körper auf einmal Stress vorgaukelst. Das wollen wir ja lieber vermeiden.

Meine persönliche Konditionierung (die mir vorhin erst aufgefallen ist):

Ich liebe es auf meinem Sofa zu sitzen und Tee zu trinken. Tee erinnert mich an Sonntagsfrühstücke mit der Familie, Abends einen Film zu sehen oder Spieleabende.

Ich assoziiere eine Tasse warmen Tee daher mit „gemütlich beisammensitzen“ „Wohlig-warmes Gefühl“ „pure Zufriedenheit“. Da diese Konditionierung bereits seit meinen frühem Kindesalter stattfand, ist mein Gehirn/ Körper komplett darauf gepolt:

Tee = Entspannung

Gib mir also eine Tasse Tee und ich bin der zufriedenste Mensch auf Erden 🙂

 

Viel Glück dabei, dein eigenes Bewusstsein zu beeinflussen! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s