Kurzzeitige Stresssituation beim Halbmarathon. #04

-Stressabbau durch Sport-

In dem letzten Beitrag hast Du erfahren, was es mit positiven und negativen Stress auf sich hat.
Heute geht es um die kurzzeitigen Stresssituationen am Beispiel eines Halbmarathons.
Du erfährst, warum Läufer gerne auf Bananen und Energiegele während eines Laufs zurückgreifen. Was die Pasta am Vortrag bewirkt. Warum es so viele Dixi Klos vor der Startlinie gibt und warum dir dein Herz gefühlt bis zum Hals schlägt.

Es ist 10 Uhr am Sonntag. Gleich ertönt der Startschuss für den 21km Lauf. Alle wippen schon leicht auf ihren Fußballen. Du spürst die Anspannung und auch die Vorfreude in der Luft. Das Ereignis, auf das Du dich seit Monaten vorbereitet hast. Nicht nur Du, auch alle anderen 30.000 Menschen die um dich herumstehen. Wie schnell soll Ich starten? In welchem Block soll Ich mich einreihen? Hätte Ich mich vielleicht doch vorher warmlaufen sollen? Ein Überfluss an Fragen strömt dir durch den Kopf. Antworten darauf bleiben erst einmal aus.

Eine typische Situation im Sport, die deinen Körper kurzzeitig unter Stress setzt und dir damit mehr Energie liefert und deine Aufmerksamkeit fokussiert.

Während Du dir alle möglichen Dinge ausmalst, die dir während des Laufs passieren können, werden zahlreiche Neuronen in deinem Gehirn aktiviert. Diese regen wiederum weitere Systeme vom Rückenmark bis zum Nebennierenmark an. Daraufhin werden dort die Neurotransmitter Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet.

Noradrenalin bewirkt, dass sich deine Aufmerksamkeit fokussiert:

Durch Noradrenalin werden weitere Neuronen in deinem Gehirn aktiviert. Dadurch werden deine Sinneseindrücke stärker gefiltert und Du kannst dich voll und ganz auf die Situation konzentrieren.

Dein Gehirn kann dadurch besser nach Bewältigungsstrategien suchen, mit denen Du die „Gefahrensituation“ meistern kannst.

Viele Läufer nehmen diesen Effekt als Runners High war. Dieser Zustand kann aber bei jeglichen Situationen aufkommen, in denen man einer Aufgabe gestellt ist, die einen herausfordert, aber nicht überfordert.

Adrenalin setzt währenddessen deinen Körper in Alarmbereitschaft:

  • Dir klopft das Herz bis zum Hals: deine Herzfrequenz erhöht sich, dein Blutdruck steigt an. Deine Atemfrequenz wird erhöht. Dadurch wird deine Muskulatur mit mehr Sauerstoff versorgt, welche Sie benötigt, um Energie herzustellen.

 

  • Du fühlst dich Energiegeladen: Adrenalin bewirkt, dass Glykogen zu Glukose abgebaut wird. Glykogen ist ein Speicherelement von Glukose (Zucker). Glukose kann dein Körper zu Energie abbauen.
    • Glukose ist ein Einfachzucker. Sie ist die Ausgangsform für jegliche Energie, die dein Körper verwerten kann. Das ist auch der Grund, warum Läufer auf längeren Strecken Bananen, Limonaden, Energieriegel oder Gels essen bzw. trinken. Diese Lebensmittel enthalten Glukose und der Körper kann den Zucker direkt verwerten, um Energie zu gewinnen.
    • Weißbrot mit Marmelade oder Honig zum Frühstück und die Pasta am Vortag enthalten genauso Einfachzucker. Alles nicht wirklich gesund, aber diese Lebensmittel füllen deine Glykogenspeicher auf, aus denen du beim Laufen schnell Energie beziehen kannst.
    • Vollkornprodukte, Nüsse oder Müsli hingegen bestehen aus komplexen Verbindungen (Mehrfachzucker), welche lange verdaut werden müssen, bevor der Körper daraus Energie gewinnen kann. Im Alltag machen Vollkornprodukte mehr Sinn, da Sie deinem Körper über einen längeren Zeitraum Energie zur Verfügung stellen. Jedoch sind Weißbrot und Nudeln eher für den Wettkampf geeignet, da Sie für kurze Zeit schnell Energie liefern.

 

  • Du läufst gefühlt 50 Mal zum Dixi Klo, bevor Du dich vor der Startlinie einreist: Adrenalin bewirkt eine Umverteilung deines zirkulierenden Blutes. Im ruhigen Zustand werden deine Verdauungsorgane ordentlich durchblutet. Adrenalin sorgt dafür, dass das Blut vor allem zu deiner Muskulatur geleitet wird, die Du benötigst, um schnell zu laufen. Hat man nun vor dem Wettkampf etwas schwer Verdauliches gegessen, können Magen- Darmprobleme auftreten, da dein Verdauungstrakt nur noch eingeschränkt arbeitet.

 

Endlich ertönt der Startschuss. Nachdem die Profis schon über alle Berge sind, rückt auch dein Block zur Startlinie und los geht’s.

Im Training bist Du maximal 15km gelaufen und trotzdem hast Du auf einmal kein Problem mehr die 21km zu bestreiten. Du fühlst dich Energiegeladen und kannst die Atmosphäre genießen. Die Zuschauer rufen deinen Namen und feuern dich an. Kinder stehen am Straßenrand und du klatscht deren Hände ab. Unter den Brücken wirst Du von Trommlern beschallt.

Und das alles ist nur Möglich, weil dein Körper die Situation eigentlich als Gefahr einschätzt. Die Stressreaktion deines Körpers kommt dir aber gerade nur gelegen, um die letzten Energiereserven herauszukitzeln.

Aber Vorsicht! Du bist bei Kilometer 19 angelangt und ziehst dein Tempo noch einmal an. Als Du die Ziellinie überquerst, musst Du auf einmal stark abbremsen. Deine Aufmerksamkeit war so aufs Laufen fokussiert, dass Du nicht gemerkt hast, wie sich Blasen an deinen Füßen gebildet haben und sich schon langsam die Übelkeit deine Kehle hochgeschlichen hat.

Bei meinem ersten Halbmarathon ist mein Kreislauf nach der Ziellinie fast zusammen gebrochen. Ich war kurz davor umzukippen und mich zu übergeben. Nach ein paar Minuten war zum Glück alles wieder gut. Mein Kreislauf und Magen haben standgehalten. Die Aufregung während der ganzen Zeit war so groß, dass mein Bewusstsein einfach alle Wehwehchen ausgeblendet hat. So erreicht man einerseits mehr, als man sich je im Training hätte vorstellen können, bringt seinen Körper aber auch ans absolute Limit.


Du weißt nun  was es mit einer kurzzeitigen Stresssituation auf sich hat. Wie Du siehst, kann Sie einem einige Vorteile bieten.
Im nächsten Beitrag wird es um langfristige Stresssituationen gehen und warum diese dich im Leben eher schwächen. Hier gehts zum nächten Beitrag.

Quellen:

http://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/stress/11388

http://flexikon.doccheck.com

2 Kommentare zu „Kurzzeitige Stresssituation beim Halbmarathon. #04

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