Marathonupdate August #03: Motivation

-mein Weg zum Marathon-

In meinem Marathonupdate für August beschäftige Ich mich mit drei Herausforderungen, die mir während des Trainings begegnen:

Mit den ersten beiden Fragen, habe Ich mich in den letzten beiden Beiträgen beschäftigt.

Heute geht es um die dritte Frage und Ich gehe darauf ein, wie sich Motivation in unserem Gehirn manifestiert:

  • Wie überbrücke Ich die gähnende Langeweile, die sich nach 90 Minuten langsamen Laufen einstellt?

Das Training für meinen Halbmarathon bestand immer nur aus Laueinheiten bis maximal 90 Minuten. Auch wenn 1 ½ h für viele bereits super lang sind, konnte Ich diese Zeit immer noch easy mit Hörbüchern oder Podcasts überbrücken.

Nun überschreiten meine langen Läufe die 90 Minuten Marke und die Langeweile macht sich breit. Wie gehe Ich damit um?

Die Trainingseinheiten sind nun an einem Punkt angelangt, an dem die reine Freude am Laufen schwindet. Also muss Ich eine neue Motivationsquelle finden:

Die Vorbereitung auf den Marathon ist von nun an, vor allem eine mentale Aufgabe für mich. Die sportliche Leistung rückt damit zum Teil in den Hintergrund. Mir geht es ab jetzt vorrangig darum, ein Ziel durchzuziehen, welches Ich mir im Vorfeld gesetzt habe.

Auch wenn es im ersten Moment nicht danach aussieht, ist auch dies eine Art von Training, welches physiologische Anpassungen im Körper hervorruft. Diesmal geht es jedoch nicht um die Muskulatur oder das Herz- Kreislaufsystem, sondern um Bereiche im Gehirn.

Sport hat nicht nur positive Auswirkungen auf deine allgemeine Gesundheit, sondern durch Sport lernst Du dich auch in anderen Situationen besser motivieren zu können.

Welche Trainingseffekte hat Sport auf deine Motivation?

Jegliches Denken und Lernen basiert auf bestimmten Vernetzungen im Gehirn. Wenn man etwas lernt, baut man diese Vernetzungen/ Straßen/ Neuronenverbände aus. Dadurch kann auf bestimmte Informationen schneller zurückgegriffen werden und neue Eindrücke werden effektiver verarbeitet und umgesetzt.

Jede Situation, in der Du dich erneut zu etwas motivierst, beansprucht bestimmte Neuronenverbindungen in deinem Gehirn. Durch die Beanspruchung veranlasst Du, dass diese Straßen ausgebaut werden. Du baust damit deine „Motivationsareale“ im Gehirn aus.

Das tolle daran: Es spielt keine Rolle in welcher Lebenssituation Du dich zu etwas motivierst. Jegliche Situation manifestiert sich in den selben Arealen.

Wo ist nun der Zusammenhang mit Sport?

Wenn Du dich regelmäßig zum Sport motivierst, erreichst Du nicht nur muskuläre Anpassungen, Du zwingst damit auch dein Gehirn sich anzupassen. Die Gehirnregionen, welche Du beanspruchst, wenn Du dich zu etwas motivierst, werden sichtbar ausgebaut.

Deine Bereitschaft etwas durchzuziehen wird trainiert.

Beispiel Profisportler:

Jeder besitzt eine individuelle Mobilisationsschwelle. Diese grenzt die gewöhnlichen Einsatzreserven von den autonom geschützten Reserven ab. Was bedeutet das?

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Jegliche Leistung, welche unter deiner Mobilisationsschwelle liegt, kannst Du durch richtiges Anstrengen erreichen. Jede Leistung die darüber liegt, kann nur durch die Einnahme von Drogen (Doping) angezapft werden. Dieser Bereich dient als Reserve, damit Du dich während einer Sporteinheit nicht zu Tode verausgabst.

Die Aussage „Ich gebe 100 %“ ist unter diesem Aspekt nicht ganz logisch.

Durch Sport lässt sich die Mobilisationsschwelle verschieben. Bei Profisportlern sind damit die autonom geschützten Reserven sehr viel kleiner, als bei Freizeitsportlern. Durch das richtige Motivationstraining schafft man es, aus seinem Körper mehr Leistung herauszukitzeln. Die Leistung, welche anfangs zu „physiologische Leistungsbereitschaft“ zählte, rutscht herunter, sodass die selbe Leistung später nur noch zum Bereich der „Automatisierten Leistung“ gehört.

Man erreicht dadurch, dass man im Verhältnis weniger Motivation benötigt, um die gleiche Leistung zu erbringen.

Je ambitionierter man Sport betreibt, desto einfacher fällt es einem an seine körperlichen Grenzen zu gehen.

Bei Personen, die kaum Sport machen, scheitert es oft an  psychischen Barrieren. Sie denken sie können nicht mehr, obwohl ihr Körper theoretisch noch die Kraft hat. Bei Profisportlern wird die Leistung wirklich aufgrund der physiologischen Kapazität begrenzt und nicht aufgrund der Motivation.

Ich bin zwar kein Profisportler, jedoch  bemerke Ich auch bei mir diese Anpassungen. Für den einen oder anderen ist es vielleicht ein bisschen befremdlich: Ich kann ohne Probleme trainieren bis Ich mich übergeben müsste oder zusammenbreche. Ich muss meine „Motivation“ zügeln, damit dies nicht passiert. Meine Leistung wird daher von meinem physischen Zustand bestimmt und nicht durch mentale Barrieren.


Kommen wir zurück zu meinem Training:

Wie gehe Ich mit langen Laufeinheiten um?

Ich führe mir die Trainingseffekte vor Augen, die dieses Lauftraining auch auf andere Bereiche in meinem Leben hat. Ich trainiere, mich auch in anderen Lebensbereichen zu motivieren: Sei es zum lernen, arbeiten oder Aufgaben im Haushalt.

Bereits seit meiner Kindheit trainiere Ich diese Mobilisationsschwelle. Mittlerweile denke nicht mehr groß darüber nach, ob Ich Lust auf etwas habe oder nicht. Entweder ist es nötig und Ich tue es oder es ist nicht wichtig, dann lasse Ich es. Aber Ich habe kaum noch mit einem inneren Schweinehund zu kämpfen.

Für alle anderen, die sich durch die alleinige Vorstellung der Trainingseffekte nicht motivieren können:

Ich bin innerhalb der letzten Wochen zum ersten Mal mit anderen Leuten gelaufen. Ich hätte niemals gedacht, dass Ich das mal sagen werde, aber die Zeit ist dadurch viel schneller vergangen. Normalerweise laufe Ich lieber für mich alleine, weil Ich dann einfacher mein Tempo einhalten kann. Ich habe nun aber die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt einen Laufpartner zu finden, der dir nicht davon rennt. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Man sieht das Laufen nicht mehr al Sporteinheit an, sondern als netten Plausch mit Freunden.

Um das mentale Training bis auf ein Maximum zu treiben, werde Ich ein paar lange Laufeinheiten im Fitnessstudio absolvieren. Dies wird unheimlich langweilig, aber es ist die perfekte Einheit, um seine Mobilisationsschwelle zu trainieren.


Das Schlüsselprinzip, welches Ich mit diesem Beitrag anspreche, ist, dass man Sporteinheiten nicht immer isoliert als „Sport – Anstrengung“ betrachten sollte. Um Trainingseinheiten interessanter zu gestalten, ist es sinnvoll sich Gedanken darüber zu machen, was Sport für andere Effekte auf dein Leben hat. Sobald man mehrere Gründe hat, Sport zu machen, fällt es einem direkt leichter dies auch durchzuziehen.


Ich hoffe, dass Ich dir durch diesen Artikel einen anderen Blickwinkel auf Sport vermitteln konnte. Du hast gelernt, dass man Motivation auch auf physiologischer Ebene trainieren und messen kann.

Innerhalb der nächsten Tag wird es noch einen letzten kleinen Beitrag zu meinem Monatsupdate für August geben, in dem Ich noch genauer auf meine Fortschritte eingehe.


 

Quellen: Leistungskurs Sport: Band 2: Sportbiologische und trainingswissenschaftliche Grundlagen; Weineck

 

2 Kommentare zu „Marathonupdate August #03: Motivation

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