Marathonupdate September: Das richtige Mindset.

-Mein Weg zum Marathon-

Die letzten 4 Wochen bis zum großen Tag sind angebrochen und kurz gesagt: Mein Körper ist einfach noch nicht bereit 42 km zu laufen. Glaube Ich zumindest jetzt. Was Ich am Ende noch mit Willenskraft herausreißen kann, werde Ich erst vor Ort herausfinden.

Das Training für den Marathon stellt für mich nicht nur ein paar mehr Ausdauereinheiten dar, in denen Ich austeste was mein Körper für Leistungen erbringen kann. Während der letzten Monate habe Ich vieles über meinen Körper gelernt, die Gesellschaft kritisiert und mich gelehrt, wie man sich von unerreichten Zielen nicht aus der Bahn werfen lässt.

Vielleicht hätte Ich den Trainingsplan durchziehen können, wenn Ich mich strikt an ihn gehalten hätte.

Im August bin Ich nur zwei lange Läufe zu schnell gelaufen, wodurch Ich Schmerzen in der Ferse bekam. Danach bin Ich nur noch maximal 3 Mal die Woche nach Gefühl gelaufen. Ich habe neue Einlagen verschrieben bekommen, die meinen „Senk-Knick-Hohl-Fuß“ (was auch immer) ausgleichen sollen. Ich laufe nun mit ihnen, aber erst nachdem Ich eine strikte Laufpause nach dem Marathon einhalten werde, um die Schmerzen komplett auszukurieren, kann Ich einschätzen, ob die Einlagen auch wirklich etwas bringen. Im Moment bin Ich noch etwas skeptisch.

Wie auch immer. Ich kann meine ganzen Beschwerden aufs Laufen schieben. Dadurch gebe Ich die Verantwortung ab. Tut in einer Hinsicht gut, jedoch lässt es mich auch mit einem Gefühl der Hilflosigkeit zurück. (Jemand anderes ist für meine Schmerzen schuldig). Ich bin gerade dabei die Perspektive zu drehen: Nicht der Sport ist der Schuldige, sondern mein Körper ist einfach noch nicht bereit, eine solche Distanz zu laufen. Beziehungsweise: Ich muss meinem Körper mehr Zeit geben, sich an diese Belastung anpassen zu können.

Ich dachte, dass Ich nach 5 Halbmarathons und 4 Jahren Laufen bereit bin. Meine Knochen sagen etwas Anderes. Im Moment habe Ich noch vor an dem Marathon teilzunehmen, jedoch hat sich meine Einstellung zu diesem Lauf komplett geändert. Nicht nur zu diesem Lauf. Meine generelle Sicht auf sportliche Ziele hat sich verändert:

Grenzen, Ziele, Vorstellungen, Einschätzungen – eigentlich alle Dinge im Leben – sind relativ zu betrachten (Relativitätstheorie und so).

Es kommt immer auf die Perspektive an, wie Dinge wahrgenommen werden:

Ich habe mir das Ziel gesetzt 42 km zu laufen. Sollte Ich die 42 km nicht schaffen, werde Ich aus dieser Perspektive enttäuscht sein, da Ich mein Ziel nicht erreicht habe.

Diese Sichtweise ist eigentlich relativ dumm, weil es viel wahrscheinlicher ist, dass Ich am Ende enttäuscht bin: Laufe Ich 0-41 km bin Ich enttäuscht (41 Möglichkeiten schlechte Laune zu bekommen). Schaffe Ich die 42 km bin Ich glücklich (1 Möglichkeit etwas Positives aus der Situation zu ziehen). Und selbst wenn Ich die 42 km schaffe, habe Ich am Ende auch „nur“ mein Ziel erreicht. Es gibt keine „Abstufungen“ meiner Freude. Also 41 Möglichkeiten enttäuscht und nur eine Möglichkeit glücklich zu sein. Da ist offensichtlich ein Fehler im System.

Mit dieser Denkweise hätte Ich mich wahrscheinlich dazu entschieden den Lauf abzusagen, da Ich mir sicher bin, dass Ich die 42 km nicht schaffe.

Der Marathon wird ein riesiges öffentliches Event mit super Stimmung. Tausende von Menschen, die alle eine Leidenschaft teilen und sich seit Wochen auf diesen Tag vorbereiten. Das möchte Ich einfach nicht verpassen!

Um trotzdem daran teilnehmen zu können, ohne am Ende maßlos enttäuscht zu sein, muss Ich meine Einstellung zu diesem Tag ändern.

Uns wird in unserer Gesellschaft beigebracht, dass man sich Ziele stecken sollte, um erfolgreich zu sein. Was an sich gar nicht so dumm ist. Das Problem dabei: wir lernen nicht, wie man damit umgeht, wenn wir diese nicht erreichen. Was grundsätzlich auch gar nicht so schlecht ist, da wir dadurch erstmal alles versuchen, diese Ziele auch zu erreichen.

Ziele werden unter bestimmten Bedingungen gesetzt. Diese Bedingungen ändern sich auf dem Weg. Ziele müssen daraufhin angepasst werden. Es ist jedoch oft schwer, diese neuen Bedingungen wahrzunehmen oder sich einzugestehen, dass man das vorerst gesetzte Ziel nicht mehr erreichen kann.

Nun gibt es zwei Wege mit dieser neuen Situation umzugehen:

  • Alles ausblenden und enttäuscht sein, dass man sein Ziel nicht mehr erreichen kann

Oder

  • Die Situation hinterfragen und die Perspektive ändern

Die erste Option kommt für mich nicht in Frage. Also muss Ich aus einem anderen Blickwinkel auf die Situation schauen.

Ich habe mir das Ziel gesetzt, den Marathon zu laufen.

Aus den anfänglich erwähnten 41 negativen Ausgängen schaffe Ich mir 42 positive Ausgänge. Wodurch Ich nur glücklich aus dem Lauf hervorgehen kann.

Meine neue Einstellung zu dem Marathon

Ich nutze den Tag, um herauszufinden, wie weit Ich laufen kann. Damit habe Ich kein festgelegtes Ziel mehr. Ich werde einfach Kilometer für Kilometer laufen und wenn es am Ende „nur“ 30 km werden, weiß Ich, dass Ich mein Bestes gegeben habe und es mir im Moment einfach nicht möglich ist, einen kompletten Marathon zu laufen.

Durch diese Einstellung freue Ich mich wieder auf den Tag, weil Ich dann mit Überschreiten der 21 km meine längste Strecke in meinem Leben laufen werde.

Wenn Ich mir das hier nochmal durchlese, wirkt es nicht wie eine bahnbrechende Erkenntnis. Trotzdem kann Ich nur durch diese kleine Änderung meiner Einstellung, eine riesige Enttäuschung von mir abwenden.


Moral aus der Geschicht:

Wenn man an einem sportlichen Event teilnimmt, aber die Ziellinie nicht überschreitet, sehen die meisten Menschen dies als Enttäuschung an. (Mir geht’s genau so). Aber mir ist jetzt bewusst geworden, dass man sich von solchen Vorstellungen nicht unterkriegen lassen sollte. Jeder kann für sich selber entscheiden, wie er mit solchen Situationen umgeht. Mir hilft es, wenn Ich mir bewusst mache, wo Ich letztes Jahr um diese Zeit noch stand:

September 2016 hatte Ich eine Laufpause von über einem Jahr hinter mir. Ich hatte viele Beschwerden mit meinen Schienbeinen und das Gefühl nie wieder richtig laufen gehen zu können. September habe Ich mich dazu entschlossen, noch einmal ganz von vorne mit dem Laufen zu beginnen. Dafür habe Ich mich strikt an einen Trainingsplan gehalten, der mich zwang in der untersten Herzfrequenzzone zu laufen (sehr, sehr langsam. Pace von 7:30 min/km). Ich habe Intervalltrainings mit einer maximalen Pace von 6 min/km absolviert. In meinen Augen waren diese Trainingseinheiten sinnlos. Ich war es gewohnt, sich in jeder Trainingseinheit vollkommen zu verausgaben. Ich wollte aber einen kompletten Neueinstieg ins Laufen, deswegen habe Ich mich darauf eingelassen. Im Frühling bin Ich dann wieder meinen ersten Halbmarathon gelaufen. Im Sommer den Zweiten und jetzt hatte Ich vor, einen ganzen Marathon zu laufen.

Ich war enttäuscht, dass Ich die 42 km nicht schaffen werde, aber jetzt, wo Ich mir Gedanken über die letzten zwölf Monate mache, fällt mir erst auf, wie sehr Ich mich trotzdem sportlich verbessert habe. Einen kompletten Halbmarathon laufe Ich mittlerweile schneller, als die Intervalle vor einem Jahr. Auch wenn Ich für 42 km noch nicht bereit bin, sollte Ich meine bisherige Leistung wahrnehmen und wertschätzen.

Es ist immer wieder hilfreich, kurz im Leben stehen zu bleiben, um zu gucken, wo man gelandet ist. Egal ob es um die berufliche Situation geht, im Sport oder Beziehungen. Wo kommt man an, wenn man so weiter macht wie bisher?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s